Aber mein lieber Donald: Was hast du der Welt da nur für eine Scheisse eingebrockt? Ich befürworte es, dass menschenverachtende Mullahs abgesetzt und durch eine vom Großteil des Volkes befürwortete Regierung ersetzt werden sollen. Aber die Art und Weise lässt viele Fragen unbeantwortet. Ebenso die Idee des Westens, die Demokratie als Regierungsform zu verschreiben. Verschrieben wie von einem Medizinprofessor, der schon lange kein Krankenhaus mehr von innen gesehen hat. Schließlich wissen doch alle, dass Patienten anders auf die verschriebene Medizin reagieren können.

Im Falle des Irans habe ich den Eindruck, als hätte man das aggressivste Mückenspray in ein Wespennest gesprüht, in der Erwartung alle Wespen würden es verlassen und von friedlebenden Bienen bezogen. Aber die Wespen sind noch da und das aggressiver denn je. Die Auswirkungen? Fatal!

Fatal für das iranische Volk,
Fatal für die Weltwirtschaft,
Fatal für Reisende, die festsitzen

Ich checke am Flughafen in Kapstadt ein. Der Start einer knapp 40-stündigen Reise, die mich statt wie geplant via Doha nun über Äthiopien, nach Ägypten und schließlich nach Marokko führen soll. Ob mein Gepäck bis nach Casablanca durch gecheckt wird frage ich die freundliche Dame am Schalter. Schließlich habe ich in Kairo einen knapp 18-stündigen Aufenthalt vor mir. Kann sein, sagt sie und verweist an das Bodenpersonal in Addis Abeba. Dort angekommen, bleibt nicht viel Zeit für Fragen. Jeder Mitarbeiter, dem ich begegne ruft mir entgegen: „Kairo? RUN!“ Ich renne.

In Kairo angekommen frage ich freundlich am Gepäckband nach. Wird natürlich durch gecheckt, raunzt mich der Herr hinterm Tresen mit seiner charmant ruppigen Art an. Dieses leicht passiv aggressive gehört hier in Ägypten scheinbar zum guten Ton, stelle ich während meines Aufenthalts OHNE Koffer fest. Als gebe es ein internationales Nord-Süd-Gefälle, denke ich und fühle mich an meine Heimat erinnert von der ich doch so weit entfernt bin. Mit meinem Koffer sind auch die meisten meiner Klamotten und mein Kulturbeutel irgendwo im afrikanischen Transit verschwunden.

18 Stunden später schwindet meine Hoffnung mich vor meiner Weiterreise mit einem Deo und Zahnpasta eindecken zu können. Ich scheitere an einer mies gelaunten Grenzbeamtin, schließlich sei der Zutritt zum Terminal nur mit einer ausgedruckten Bordkarte gestattet. Wir sind hier immer noch in Deutschland, denke ich, gefangen zwischen Sicherheitskontrolle und schlecht gelaunten Grenzbeamten. Mir bleibt nichts anderes übrig als in diesem spärlichen Bereich auf die Öffnung des Check-In-Schalters zu warten, wo ich doch gar nichts einzuchecken habe.

Ein paar Stunden, ein Armani-Deo für 30 Euro und einen Zähneputzgang später soll es nun endlich losgehen. Royal Maroc Air, in Fachkreisen auch RAM genannt, lädt zum Boarding ein. An meinem Platz angekommen, erwartet mich eine böse Überraschung. Hatte ich ihn doch taktisch so gewählt, dass der Platz in der Mitte frei bleibt. Da hat etwas ganz und gar nicht geklappt. Im Gegenteil, mein Plan hatte sich ins Gegenteil verkehrt. In der Mitte sitzt ein Gorilla von einem Marokkaner. Nicht einer von diesen sportlichen jungen, die noch etwas beweisen müssen. Eher so ein Gorilla vom Typ Silberrücken, der seine familiäre Stellung schon gesichert hat. Wider bösen Willens erstreckt sich sein Körper nach links und rechts über seinen Sitz hinaus. Mir bleibt nichts anderes übrig, als die nächsten 6 Stunden zu versuchen seinen Arm möglichst wenig zu berühren. Ich bezahle mit einer hartnäckigen Verspannung auf Höhe der Rippenbögen — ein Besuch im Hamam wird es hoffentlich richten.

Endlich in Marokko angekommen, begebe ich mich auf meine letzten Trip zum Zielort Marrakesch. Vor mir liegt eine knapp 3-stündige Zugfahrt. Anders als bei der Deutschen Bahn sind alle Züge überpünktlich. In meinem Abteil lerne ich Zaid kennen, einen jungen Touristenführer aus dem Atlas-Gebirge, der mittlerweile Luxustouren für Menschen ab 60+ durch Marokko organisiert. Wir unterhalten uns die gesamte Zugfahrt und dank ihm vergeht die Zeit wie im Flug. Mein Koffer, der es tatsächlich bis nach Casablanca geschafft hat, steht aufgrund von Platzmangel im Flur des Wagons außerhalb meines Abteils. Das bereitet mir Bauchschmerzen. Hatte ich doch gerade die letzten 2 Monate in Kapstadt gelernt, nichts unbeobachtet zu lassen. Es passiert während der 3 Stunden nichts.

In Marrakesch angekommen werde ich erschlagen.

Erschlagen vom Lärm. 
Erschlagen vom Schmutz.
Erschlagen von einer völlig neuen, mir fremden Kultur.

Ich bahne mir meinen Weg zu Fuß zu meinem Apartment im Neubaugebiet Gueliz. Hier werde ich den nächsten Monat wohnen. Als sei es göttliche Fügung, werde ich nach meiner Ankunft direkt vom Gesang des Muezzins begrüßt. Mein direkter Nachbar ist eine Moschee stelle ich in diesem Moment fest, merke aber schnell dass man sich an das herzliche „Allahu akbar“ 5 Mal am Tag gewöhnt.

Die Menschen hier sind alle sehr freundlich und aufgeschlossen. Irgendwie ist Marrakesch ein wilder Mix aus internationaler Metropole und uralten Traditionen. Das spiegelt sich auch in der Kleidung wieder, von Jogginghose über chice Designer-Kleidung bis hin zu traditionellen Gewändern und Frauen in Burka. Es dauert etwas bis ich merke, dass hier zwar auch viele Menschen um Geld bitten, aber man sich im Gegensatz zu Kapstadt überall sicher fühlt. Die meisten sprechen französisch, die älteren nur arabisch, einige können auch englisch. Ich versuche es mit einem mix aus Duolingo-französisch, englisch und Google Translate arabisch und stelle wieder fest: Ich habe zwar keine ausgeprägte Sprachbegabung, bin aber gut im Nachahmen von Dialekten. In meinen Ohren klinge ich also wie ein native Speaker.

Die alten Traditionen und Identität der Stadt, findet man vor allem in der Medina, dem alten Teil Marrakeschs. Hier schieben sich Touristengruppen durch die engen Gassen, immer wieder überholt von Motorrollern und Pferdekarren. Weit und breit gibt es hier Dinge zu kaufen, die niemand braucht und trotzdem kauft. Während ich diesen Text schreibe bin ich gerade dem Trubel der engen Gassen in den Secret Garden entflohen, der zugegebenermaßen gar nicht mehr so Secret ist. Dennoch genieße ich die himmlische Ruhe, die hier herrscht. Die Medina ist ein eigener Kosmos, dem ich eine eigene Geschickte widmen werde, nachdem ich ihn durchdrungen habe.

Nun muss ich erst mal herausfinden, was mein neuer Friseur des Vertrauens Abdu im Schilde führt, der mich nach meinem WhatsApp gefragt hatte. In meinem manchmal etwas naiven Gedanken der Völkerverständigung hatte ich ihm meine Nummer auch bereitwillig gegeben. Seitdem schreibt er regelmäßig und was viel schlimmer ist er ruft auch manchmal an. Da eine seiner ersten Fragen war, ob ich verheiratet sei, hoffe ich nun dass er keine ledige Schwester hat…